DIGEL HEAT Infrarotheizungen folgen

Zukunft auf Draht - Schwäbisches Tagesblatt

Pressemitteilung   •   Mai 22, 2015 16:20 CEST

Laufbänder rattern, die Produktion ist fast menschenleer. Lange Polyesterfilzbahnen rollen automatisch über das Förderband. Die Maschine stickt Endlos-Drahtleitungen darauf. Die werden später mit Strom aufgeheizt – und wärmen beispielsweise Autobatterien für BMW.

Seit 1988 fertigte Werner Digel in seiner Pfullinger Firma Stickereien für Babys und Erwachsene. Anfangs mit 15 Mitarbeitern, später wurden es immer weniger. „Das ist alles weggebrochen“, sagt der langjährige Firmenchef. Er suchte nach neuen Standbeinen – und wurde in der Automobilzulieferung fündig.

2004 entwickelte Digel die wohl erste gestickte Lenkradheizung überhaupt. „Irgendwann sind wir draufgekommen, Heizteile zu verkaufen“, sagt der Seniorchef. Mit Erfolg: Heute sind 30 Mitarbeiter in der 2006 neu gegründeten Digel Sticktech Gmbh und Co. KG beschäftigt. Digel hat mehrere Patente angemeldet und beliefert zehn Automobilzulieferer in Deutschland, Österreich und Tschechien. Das Unternehmen machte zuletzt knapp drei Millionen Euro Umsatz.

„Das war die Rettung für die Firma und die Arbeitsplätze“, sagt Sohn Fabian Digel, der den Betrieb Ende vorigen Jahres von seinem Vater übernommen hat. Beide firmieren weiter als Geschäftsführer. 30 000 Sitzheizungen für Autos gehen bei Digel pro Woche teilfertig vom Band. In Pfullingen wird der Draht aufgestickt, ausgestanzt werden die Leitungen dann beim Kunden.

Digel stellt neben Sitz- und Lenkradheizungen für namhafte Hersteller auch Kohlefaserteile für Fahrzeuge her – statische Bauteile anstelle von Metall, um Gewicht zu sparen. Die Kohlefasern werden in der Pfullinger Produktion konturgenau auf die Filzbahnen verlegt, der Abfall-Anteil des teuren Rohstoffs liegt dadurch unter drei Prozent.

„Zum größten Teil haben wir eine Marktlücke besetzt“, freut sich Werner Digel. Die Maschinen rattern rund um die Uhr, zwei Mitarbeiter überwachen sie im Dreischicht-Betrieb. „Sonst wäre so eine Fertigung in Deutschland nicht möglich“, sagt der Seniorchef. Sukzessive haben sie die Produktion aufgerüstet und 2013 auf dem Firmengelände einen zweistöckigen Neubau mit fast 3000 Quadratmetern Nutzfläche in Betrieb genommen.

Weil die Produktpalette zeitweise „sehr automobillastig war“, wie es der Seniorchef formuliert, nahm Digel auch Infrarot-Heizungen für Gebäude ins Programm. Die hatte die Pfullinger Firma schon seit einigen Jahren mit textilen Heizelementen versehen – mittlerweile stellen sie die Infrarot-Heizungen seit drei Jahren selber her; sie machen heute 40 Prozent vom Umsatz aus.

Digel hat auch großformatige Bilder mit eingebauten Heizelementen im Programm, die an der Wand Wärme abstrahlen. Textile Heizelemente baut die Firma auch in Wanderschuhe und Handschuhe ein, für einen Schweizer Süßwarenhersteller sogar in Schokoladenbehälter. Der hält damit die Schokolade flüssig, um seine Kekse verzieren zu können. Ein weiteres Digel-Produkt sind gewärmte Deckel für Silos – in der Landwirtschaft bis hin zur chemischen Industrie. Die Heizdrähte sichern, dass die Deckel auch bei Frost im Winter jederzeit geöffnet werden können, damit das Innenleben der Silos nicht explodiert. Das alles macht heute zehn Prozent vom Umsatz aus, die Hälfte trägt immer noch die Automobilzulieferung.

Herkömmliche Stickereien fertigen weiter sechs Mitarbeiter in der Einzelfirma Digel Stick-Design, die Werner Digel führt – sie produzieren aber nur noch Werbe-Textilien. Die Sticktech-Firma expandiert währenddessen. Die Chefs bauen gerade einen heißen Draht nach Frankreich auf. Und der Auto-Hersteller McLaren will für seine Straßenfahrzeuge ebenfalls mit den Pfullingern kooperieren. So dürfte bei dem Familienbetrieb die Zukunft gesichert sein.

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